Sehenswerte Filme der Berlinale 2019

Alba Rohrwacher_Hellhole
„Hellhole“ von Bas Devos, Belgien/Niederlande 2019

Bas Devos ist selbst Brüsseler und er zeigt die Stadt in dem Moment der Verunsicherung nach den Attentaten 2016. Brüssel ist eine exemplarische, aber auch eine besondere Metropole: es ist in dem episodischen Drama des belgischen Regisseur Bas Devos eine einsame Stadt. „Die Geister der Politik spuken durch das Zentrum einer immer brüchiger werdenden Europäischen Union. Zwischen Krieg und Frieden, Lagern für Geflüchtete und Parlamentsdebatten treibt eine Gruppe verlorener Seelen durch die Schärfen und Unschärfen des Lebens. Da ist der junge Araber Medhi, der unter den Umständen der Zeit leidet und von seinem Bruder um einen problematischen Gefallen gebeten wird, aber einen anderen Weg geht. Da ist der flämische Arzt Wannes, dessen Sohn unterwegs zu einem Kampfeinsatz in den Nahen Osten ist. Und da ist die italienische Übersetzerin Alba, deren Leben ihr langsam, aber sicher zu entgleiten droht. Verbunden sind diese Menschen durch die Bewegungen einer Kamera, die immer öfter selbst zum Protagonisten wird. Ihre Suchbewegungen ertasten die Risse und Brüche der Stadt, ihre Häuser und ihre Bewohner*innen. Manchmal umkreisen die Bilder das Geschehen, dann wieder ist es konzentrierter Stillstand, durch den der Film seine Geister einzufangen sucht.“

Bas Devos zeigt fragile Personen in mächtiger Architektur. Die Frage ist, wie Menschen in heutigen superdiversen Städten zusammenleben.

Hamza Belarbi als arabischer Junge Medhi mit Migräneanfällen
„Erde“ von Nikolaus Geyrhalter, Österreich 2019

Ein Porträt der Erde im Anthropozän

60 Mio Tonnen Erde und Geröll bewegt die Natur pro Tag, 156 Mio der Mensch. Der Mensch prägt dieses geologische Zeitalter durch seine immensen Mittel, die nie so weitreichend waren wie heute.

Ein Porträt der Erde im Anthropozän – an sieben Orten, die der Mensch gewaltig umgestaltet: das Versetzen ganzer Berge in Kalifornien, das Durchbohren des Gebirges am Brenner, ein Kohletagebau in Ungarn, ein Marmorsteinbruch in Carrara, eine Kupfermine in Spanien, das Salzbergwerk mit Atommülllagerung in Wolfenbüttel und eine Ölsandabbaulandschaft in Kanada.

Dabei lässt er Ingenieur*innen, Sprengmeister, Baggerführer und Steinbrucharbeiter zu Wort kommen, die diese Erdmassen bewegen. Ihre differenzierte Sicht ist neben den eindrucksvollen Bildern des Interessante an dem Film. Sie sind fähig, Faszination und Ambivalenz der Eingriffe zu sehen. Und es wird deutlich: Sie handeln nicht aus eigener Initiative, sondern im Auftrag der Gesellschaft. Nie hat der Mensch so tief in die Natur eingegriffen wie heute.

Um das Antropozän geht es auch am 20.02 in der Evangelischen Stadtakademie um 19.00 Uhr: Im Rahmen der Reihe „Das menschliche Maß. Kritische Dialoge zwischen Kunst und Wissenschaft“ stellt der Intendant des Berliner Hauses der Kulturen, Prof. Bernd Scherer Thesen vor zum Thema

Der Mensch und sein Zeitalter. Technosphäre mit Sinndefizit?

Künstlerischer Beitrag ist ein Video von Yelena Popova 

Hier geht es zur Anmeldung.

 

 

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